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Schuljahresbeginn 2012

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Lehrerinnen und Lehrer,

 

auch im Schuljahr 2012/13 wollen wir an dieser Stelle monatlich über die wichtigsten Ereignisse im Schulleben des Thomas-Mann-Gymnasiums berichten. Unsere Nachwuchsjournalisten werden in diesem Zusammenhang kurze Texte zu Aufführungen, Festen oder besonderen Projekten verfassen, um Ihnen einen Einblick in das Innenleben unserer Schule zu vermitteln. Zudem erhalten Sie einen kurzen Überblick hinsichtlich bevorstehender Termine. Ein Blick in den Newsletter lohnt sich also allemal.

 

Gegen Ende des letzten Schuljahres durfte eine unserer Redakteurinnen an der renommierten Sommerakademie des Literaturhauses München teilnehmen und sich als Journalistin unter professionellen Bedingungen versuchen. Zu dem Thema „Kulturelle Vielfalt in München“ verfasste Theresa Reithmann (Q11) folgende Reportage auf jetzt.de:
 

Heim(at)spiel

Die Idee ist zu groß. Das Büro von Rüdiger Heid wird bald platzen. Wie ein Ball, der zu fest aufgepumpt wurde.

Kaum jemand passt noch in das ehemalige Feuerwehrhaus in der Ganghoferstraße. Vier Trainer stehen im Gang. Einige Jungs kommen nur kurz rein, um „Papa Rudi“ mit Handschlag zu begrüßen. Dann gehen sie auf den Platz. Kicken. Rüdiger Heid scheint der Trubel nichts auszumachen. „Wir wollen ja allen die Türen offen halten hier“, sagt er. Trotzdem soll die Verwaltung seines Projektes „BuntKicktGut“ (BKG) bald in ein größeres Gebäude umziehen. Es braucht Platz, über 100 Teams mit mehr als 1000 Jugendlichen zu verwalten. „Wobei“, sagt Rudi, „sich die Teams weitestgehend selbstständig organisieren. Das funktioniert. Jeder kann mitmachen.“ Sechs Leute müssen sich gemeinsam anmelden, zwölf sollten maximal eine Mannschaft bilden. Die Mannschaften trainieren in Parks, oder auf der Straße – dort wo sie sowieso schon spielen würden. Mit einem Zusatzaspekt: BKG organisiert Turniere unter den Mannschaften, stellt Trikots. Die Spiele finden an den Trainingsplätzen statt und für die Teilnehmer gibt es verschiedene Preise. Unter anderem zeichnet BKG die besten Gastgeber eines Turniers aus. Dabei ist der gewählte Ort nicht wichtig – „oft laufen die besten Turniere vor Garagen ab.“ Hauptsache die gastgebende Mannschaft organisiert gut. Es sei wichtig, die Jugendlichen ernst zu nehmen. Sie sollen das Gefühl haben, professionellen Fußball zu betreiben. „Viele sind sehr ehrgeizig. Viele sind gut. Wir gliedern auch in Vereine ein, denn da sind echte Talente dabei.“

Ein Junge begrüßt Rudi. Er ist schmächtig, sieht viel auf den Boden. Aftab sei so ein Talent, sagt Rüdiger Heid und klopft ihm auf die Schulter. „Ich trainiere die U13 und U15“ sagt Aftab. Er selbst ist 14. Spielt bei den „Arnulf Lions“ und im TSV Forstenried. Er spricht ganz leise. Kein Anführertyp. „Das Training funktioniert ohne Rumbrüllen“, sagt Heid. „Was ich den Kids vermitteln will, ist Respekt. Jeder fühlt sich als Individuum.“

Am Grundprinzip hat sich seit 1997 nichts geändert. Damals hat Rüdiger Heid in einem Flüchtlingsheim gearbeitet. „Es gab da diesen einen Jungen. Der hatte alle Kids dermaßen in der Hand. Ich wusste, wenn ich ihn knacke, hab ich alle. Geködert hab ich ihn schließlich mit Fußball. Die Idee hat prima funktioniert.“ Sport kann bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse helfen. Außerdem als eine Art Ventil. „Alles rauslassen ohne jemandem zu schaden. Ich mag die frechen Straßenkids. Die ganz gewieften. Sie müssen nur korrekt bleiben. Und BKG hilft dabei.“ Eine große Hilfe beim „Korrektbleiben“ ist der Ligarat. „Was nicht geht, sind schlimme Ausdrücke auf dem Platz

sowie außerhalb vom Feld. Bei einem Verstoß muss ein Entschuldigungs-Brief an den Rat geschrieben werden.“ Es geht ihm um Respekt.

Konflikte gibt es trotzdem. Mit Rassismus hat BKG aber nie Probleme gehabt. Die Jungs und Mädchen kommen insgesamt aus 80 verschiedenen Ländern. „Das spielt für die Kinder absolut keine Rolle. Sie gehen hierher um zu kicken, nicht, weil das ein tolles Integrationsprojekt ist. Dass nicht alle aus dem selben Land sind, ist kein Thema. Deutschland ist schließlich auch nur eine Nation unter vielen.“

Zum Training erscheint der zwölfjährige Alexis. Seine Mutter kommt aus Frankreich, der Vater stammt aus Berlin. Alexis geht auf die französische Schule. „Ich fühl mich mehr als Franzose, bin aber auch hier daheim. Ich hab viele Freunde bei BKG auch wenn nicht alle hier dieselbe Sprache sprechen.“ Das sei beim Sport kein Problem. Viele lernen hier gut Deutsch.

„Die Jungs vom Harras sind Rudis Team.“ sagt Alexis. Rudi schmunzelt. Er trainiert niemanden. „Manche sind neidisch, weil ich zum Harras Team einen besonderen Bezug hab. Schließlich kam die erste Mannschaft daher.“ Ein Junge im Park nebenan hat deshalb aufgehört, bei BKG zu spielen. „Rudi bevorzugt die. Einmal hat er bei einem Turnier einen Punkt der Gegner nicht gezählt, damit die vom Harras besser dastehen.“ Außerdem sei ihm die ganze Institution zu teuer. 30 Euro pro Saison, nächstes Jahr vielleicht 60.

BKG finanziert sich hauptsächlich durch Sponsoren. „ Aber die Teilnehmergebühr hat was Offizielles“, sagt Heid. „Die Kinder sollen ihren Preis haben. Sie nehmen das dann ernster.“

Im Juli findet eine Woche Sommercamp statt. 30 Spieler reisen gemeinsam nach Polen. Die Nachfrage ist groß, es gab schon Reisen nach Afrika, Kroatien, Prag. „Ein Weg, internationale Kontakte zu knüpfen sind Turniere dort. Oft haben wir auch Gäste hier, die im Sitzungsraum übernachten.“ In dem beten sonst auch die Muslime bei BKG. „Viele machen Ramadan. Sie trinken nichts und müssen aufpassen beim Sport in der Hitze. “ Ansonsten spielen Religion und Herkunft keine Rolle. Der mehrfach prämierte Aspekt der Toleranz und Integration ist so selbstverständlich involviert, dass sich die Frage nach Zughörigkeit für niemanden stellt.

Der Ansatz des Projektes ist Disziplin. Respekt. Nicht zuletzt Verantwortung. Derweil ist es doch nur Fußball.

 

 

Zum Abschluss wollen wir Sie noch auf ein ganz besonderes Highlight im Oktober aufmerksam machen. Der (Klavier-)Kabarettist Tom Wende tritt mit seinem Programm „Haste mal ´ne Taste“ am Donnerstag, 25.10., 19h, im Lebensraum des Thomas-Mann-Gymnasiums auf. Karten sind zu 8€ (Erwachsene) bzw. 5€ (Schüler) ab sofort im Lehrerzimmer bei Frau Viertlböck und Herrn Akodad erhältlich. Zum Inhalt:
 

Haste mal ne Taste?

Klavierkabarett im Überfluss

Tom Wende und seine Tasten – der Satiriker und seine Waffen, der Magier und seine Formeln, der Verrückte und sein Traumreich. Unglaublich, was alles zu Musik werden, was wohl- und was missklingen kann: Wirtschaftsaufschwung und geistiger Rückbau, die goldenen Nächte des Barpianisten und die eisernen Tage des Lehrers, die Schrecken der Münchner U-Bahn, auch Kinder, die zum Glücklichsein nur einen Schnuller brauchen, und Männer, deren Glückssuche sich ein wenig schwieriger gestaltet. Das alles in einer Gesellschaft, die schon wieder eine solche Eigeninitiative fordert, dass niemand mehr die Kraft hat für die Frage, wofür die Eigeninitiative eigentlich da ist. Aber eins ist klar: Am Piano geht alles. Tom Wende ist der lebende Beweis. Sehen und hören Sie ihn in seinem neuen Programm „Haste mal ne Taste?“.