Sie sind nicht angemeldet.

Oktober 2011

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Schüler- und Lehrerschaft des Thomas-Mann-Gymnasiums wird Sie und Euch an dieser Stelle monatlich über Ideen, Veranstaltungen und Aktivitäten informieren, die so vielfältig das Leben der Schulfamilie bereichern.

Wir beginnen mit einem lesenswerten Artikel der Schülerin Theresa Reithmann, Klasse 10b, über eine eher unkonventionelle Sportart. Wenn Sie bzw. Ihr dieses Schaufenster nutzen wollt, um mit eigenen Berichten die Gesamtheit der Schulfamilie zu erreichen, so wendet Euch an die Herrn Kollegen Akim Akodad und Gerhard Tietz, die die redaktionelle Verantwortung übernommen haben.

Wir wünschen Viel Freude bei der Lektüre
 

Jörg Leher
Schulleiter

 

 

Randsportart wird Trendsportart

Ein Besuch bei Münchens einzigem Baseballverein

Dass sich unsere Idee von Baseball zumeist aus klischeehaften Vorstellungen einer Gruppe smarter College-Jungs mit blauen Caps, weißen Hosen und Trikots sowie massigen Holzschlägern zusammensetzt, kann wohl kaum jemand bestreiten.

Muss man auch nicht! „Los Caribes" sind Münchens einzige Baseballmannschaft (zum Vergleich: In den USA hat fast jede Schule ihr eigenes Team). Die Regeln sind kompakt und doch relativ kompliziert; das alles macht Baseball nicht gerade zum bayerischen Nationalsport. Jedoch völlig grundlos, wie man spätestens nach einem gut zweistündigen Probetraining bei „Los Caribes de Munich" feststellt.

In Oberwiesenfeld (direkt mit der U3 erreichbar) werden wir von vier freundlichen Vereinsmitgliedern begrüßt, die uns zu einem Probetraining auf einen unverschämt grünen, äußerst gepflegten Rasen führen, von dem so mancher Fußballverein höchstens träumen darf. Andrea Sommer und Eduardo Miguez leiten das Training.

Er sieht aus ein bisschen aus wie der spanische Babe Ruth, trägt weiße Karottenhosen und eine blaue Baseballcap. Sie ist ebenso gekleidet und unterm Arm hält sie eine Menge lederner Handschuhe im XXL-Format. In der Ecke liegt ein Haufen kleiner, für uns Laien beinahe bedrohlich hart aussehender Lederbälle.

"Sprecht Ihr Spanisch?" Nervöses Kichern. "Sollten wir eigentlich können", die einvernehmliche Antwort.

Kein Problem, Eduardo Miguez spricht auch Deutsch, was die ganze Sache nicht minder multikulturell macht. Schließlich hat Baseball seinen Ursprung in den USA, wo es bis heute als einer der zwei beliebtesten Sportarten überhaupt gilt. Aber längst haben auch Länder wie Japan, die Schweiz und Italien diesen Mannschaftssport für sich entdeckt. In vielen lateinamerikanischen Staaten etablierte sich Baseball bereits kurz nachdem die erste amerikanische Liga gegründet wurde. 1994 kamen dann lateinamerikanische Studenten nach München und gründeten „Los Caribes". Unter ihnen war damals auch Nixie Zarate-Traßl, Vereinspräsidentin und Trainerin der Juniorenmannschaft. Sie will vor allem junge Leute für das Spiel begeistern: „In Deutschland ist Baseball noch ein Randsport. Leider!"

Doch trotzdem ist die Entwicklung in Europa beachtlich. Besonders in den letzten 20 Jahren hat das Spiel, das vom Teamgeist lebt und zeitlich praktisch nicht begrenzt ist, an Bedeutung gewonnen. Eduardo Miguez gelingt es mit seiner lockeren Art, uns im Nu für diese exotische Sportart zu begeistern.

Er zeigt uns, wie man wirft – dann mimen wir Pitcher und Catcher. Zugegeben, ein großartiger Baseballspieler scheint an keinem von uns verloren gegangen zu sein, aber der ungeheure Spaß, den alle haben, macht das fehlende Talent wieder wett. Mit der Zeit werden die Würfe aber auch schon besser. Hat man sich einmal an das Gefühl des schweren Handschuhs an der linken und des festen Balls in der rechten Hand gewöhnt, fühlt sich ein Münchner Kindl praktisch sofort wie Joe DiMaggio, auch wenn die meisten Bälle im Nirwana landen. Zumindest gibt es nach einer Viertelstunde nicht einmal annähernd so viele Verletzte wie angenommen; nämlich gar keine. Manch einer vergisst vor lauter Spaß schon gleich, dass in diesem Spiel ja auch Schläger eine Rolle spielen. Andrea Sommer bringt gleich ein Dutzend großer und kleiner. Wir bekommen Modelle aus Aluminium, die hölzernen verwenden nur Profis, in der ersten und zweiten Liga sind sie Pflicht. Unsere (und die von den begleitenden Lehrern nicht besonders gut verborgenen) Bedenken erweisen sich schnell als unnötig. Professionell wird uns erklärt, wie man einen „Bat" richtig schwingt und spätestens beim zweiten Versuch trifft auch jeder den Ball. Dieser fliegt zwar nicht weit – aber „das ist reine Übungssache", so Miguez.

Fliegt er weit genug, wird der Batter zum Runner. Und an diesem Punkt versteht auch jeder erstmalig die Gründe für sechs Jahre Brennball, denn die Grundregeln sind denen des Baseballs tatsächlich sehr ähnlich, so dass kaum einer Verständnisprobleme hat. Wegen der zahlreichen Schlag- und Wurfübungen kommen wir leider nicht mehr dazu, das Laufen von Base zu Base zu trainieren. Doch Nixie Zarate-Traßl lässt uns weiter vom Homerun träumen, denn zum regulären Training sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Bei neun Mannschaften ist auch für jeden die richtige dabei, selbst für die Jüngsten. „Die Arbeit mit Jugendlichen ist für uns sehr wichtig", sagt Zarate-Traßl. „Als nächstes soll eine reine Mädchenmannschaft entstehen, die den Verein sicher noch weiter bringen kann. Unsere Herren spielen schließlich schon sehr erfolgreich in der Bayernliga!"

„Los Caribes" lassen einen die Begeisterung für Baseball deutlich spüren. Man wird gerne mitgerissen, das Spiel macht einfach Spaß. Es ist ein besonderer Verein, einer, der etwas ganz Neues nach München geholt hat. Jeder, der sich einmal an dieser Sportart versuchen und ungeahnte Fähigkeiten entdecken möchte, ist beim Training stets herzlich willkommen. Wir bedanken uns für dieses einmalige Erlebnis und können allen Sportbegeisterten nur wärmstens empfehlen: Try it!

Für weitere Informationen lohnt sich ein Besuch auf der Homepage des Vereins (www.caribes.de).

 

Theresa Reithmann, Kl. 10b